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Zur Geschichte der Zittauer Hütte

Bergbegeisterte Pioniere aus dem Sudetenland leisteten auch bei uns in den Hohen Tauern einen wesentlichen Beitrag zur Erschließung der Alpen. Der Zentralausschuss des Österreichischen Alpenvereins teilte im Jahr 1887 der damaligen Sektion Warnsdorf aus Nordböhmen das Gebiet des Krimmler Achentales und das Wildgerlostal als Arbeitsgebiet zu. Als Stützpunkt für die weiteren Aktivitäten wurde Krimml mit den schon damals berühmten Krimmler Wasserfällen ausgewählt.

Nach dem Bau der Schmalspurbahnen im Zillertal und im Pinzgau und damit dem Aufleben des Fremdenverkehrs, wurde im Jahre 1900 der Beschluss gefasst, am unteren Wildgerlossee eine Schutzhütte zu errichten. Sie sollte sowohl von Krimml als auch von Gerlos aus erreichbar sein.

Bereits am 9. August 1901 erfolgte die feierliche Eröffnung der Zittauer Hütte. Die Hütte wurde zu Ehren der größten Gruppe der damaligen Vereinsmitglieder aus Zittau in Sachsen "Zittauer Hütte" genannt.
Am 23. Juli 1913 erhielt die Hütte allerhöchsten königlichen Besuch. Der Sachsenkönig Friedrich August beehrte dieselbe einige Stunden mit seiner Anwesenheit.
In den ersten Jahren nach der Eröffnung kamen bedingt durch den langen, beschwerlichen Anmarschweg von Krimml, pro Jahr nur einige hundert Besucher auf die Hütte.
Durch den Ausbau der heutigen alten Gerlosstraße 1930 und schließlich durch den Neubau der Gerlos Alpenstraße, die 1962 eröffnet wurde, kommen jetzt jedes Jahr viele Besucher auf die Hütte.

Der Hüttenlebenslauf - eine Kurzchronik

Die Zittauer Hütte ist nun schon über 100 Jahre alt. Wenn man zurückblickt und schaut, was sie alles erlebt hat, muss man sagen, es war ein schönes Leben in den Bergen, an einem wunderschönen Platz oben am See, mit viel Freude, aber auch nicht ohne Gefahren und Sorgen. Der Lebenslauf einer Hütte ist wie der Verlauf eines Menschenlebens. Man kommt auf die Welt, ist zuerst klein, wächst heran, wird größer, älter, muss versorgt werden, umsorgt werden, ist Gefahren ausgesetzt, Kälte, Sturm, Schnee und Eis. Aber standhaft hielt sie durch. Hüttengeschichte ist auch die Geschichte der Menschen, die die Hütte geplant, errichtet, die Wege zu ihr gebaut, die sie bewirtschaftet, mit viel ideellem und materiellem Einsatz repariert, erneuert, verbessert und versorgt haben.

  • 1887
    Die Sektion Warnsdorf wird gegründet, die Warnsdorfer Hütte (1891) wird gebaut, in der Reichenspitzgruppe auch die Richterhütte (1897) und die Plauener Hütte (1898/99).
  • 1888
    In den Köpfen der Erschließer reift schon der Gedanke an den Bau einer Hütte am Oberen Gerlossee und es wird dafür schon angespart.
  • 1900
    Es wird ernst. Der Beschluss, die Hütte zu bauen, wird gefasst.
  • 1901
    Die Geburtsstunde und Taufe der Zittauer Hütte: Am 9. August 1901 um 12:00 Uhr Mittags erfolgt die feierliche Eröffnung. 49 Festteilnehmer. Die Kosten für den Bau der Hütte (6 Schlafräume mit 10 Betten, 8 Touristenschlafstellen, 6 Führerlager) betragen 4.600 Gulden.
  • 1913
    Am 23. Juli hatte die Hütte "allerhöchsten Besuch. König Friedrich August von Sachsen beehrte dieselbe einige Tagesstunden mit seiner Anwesenheit, bei welcher Gelegenheit er über die einzig schöne Lage seine Freude Kund gab". (Protokoll der Hauptversammlung der Sektion Warnsdorf)
  • 1913
    Wegen der großen Schneehöhe kann die 1. Tour auf die Reichenspitze erst am 5. August gemacht werden.
  • 1930
    Durch weiteren Innenausbau können nun mehr Bergsteiger nächtigen (9 Betten, 8 Matratzen, 8 Notbetten)
  • 1955
    Sicherung der Wasserversorgung mit hydraulischem Widder(eine 1796 von Mongolfier erfundene Wasserhebemaschine).
  • 1962
    Paula und Günther Schulze werden Pächter. Damit beginnt fast schon eine Familientradition (1989 übernimmt die Tochter Gisela die Bewirtschaftung).
  • 1965
    Es erfolgte der Zubau eines Winterraumes Richtung Westen. 10 Betten, 47 Matratzenlager, Winterraum: 10 Schlafplätze mit 20 Decken.
  • 1967
    Inbetriebnahme der 1. Materialseilbahn. Die Versorgungstransporte auf dem Rücken der Pferde sind nur noch bis zur Talstation notwendig, 1983, mit dem Bau des Fahrweges, werden die Pferde - PS durch Auto - PS ersetzt.
  • 1969
    Auf dem Winterraum wird ein Gastzimmer aufgesetzt. Dadurch wird mehr Platz für die zunehmende Besucherzahl gewonnen.
  • 1976
    Der Anbau mit den neuen Toilettenanlagen Richtung Osten wird fertig gestellt.
  • 1981
    Die Talstation der Materialseilbahn wird durch eine Lawine beschädigt, dies ist die gefährdetste Stelle in der Hüttenversorgung. Fast alle paar Jahre beschädigt eine Lawine das ohnehin kleine Bauwerk oder bläst es gar davon.
  • 1983
    Der Fahrweg bis zur Seilbahnstation wird gebaut. Durch den Bagger erfolgt am 26.5.1983 der Spatenstich. Damit wird die Versorgung der Hütte wesentlich erleichtert.
  • 1987
    Es wird Licht. Ein Kleinkraftwerk mit 32 KW versorgt von nun an die Hütte mit Strom. Das Jahr der großen Unwetterschäden im Pinzgau, Wegunterbrechungen und Vermurungen im Tal.
  • 1989
    Immer wieder braucht die Hütte Qualitätsverbesserungen (neue Fenster im Lagerraum und im 1. Stock, neue Fußbodenbeläge in den Zimmern, neuer E - Herd). Die Zahl der Nächtigungen erreicht 2.500,  und 3.000 - 4.000 Tagesbesucher kommen jährlich auf die Hütte. Die Jungen, Gisela und Peter Kirchner, übernehmen die Hüttenbewirtschaftung, Paula und Günther Schulze haben nach 27 Jahren noch nicht genug vom Hüttenstress. Sie arbeiten nach wir vor fleißig mit.
  • 1993
    Der Natur- und Umweltschutz wird immer wichtiger. Müllaltlasten werden saniert.
  • 1997
    Eine vollbiologische Abwasserreinigungsanlage und eine vollkommen neue Trinkwasserversorgungsanlage werden errichtet. Weiters wird eine für den sogenannten beschränkten Personenverkehr (d.h. zur Beförderung betriebsinterner Personen, sowie für Notfälle und Rettungszwecke) zugelassene Materialseilbahn errichtet. In den Wintern 1999 und 2000 wird die neue Materialseilbahn durch Lawinen schwer beschädigt. (Schadensumme 1,2 Mio. ATS).
  • 1999
    Am 3.7.1999 wird Josef Mair einstimmig zum neuen 1. Vorsitzenden der Sektion Warnsdorf/Krimml gewählt. Er ist seit der Sektionsgründung im Jahr 1887 der erste Einheimische, der diese nicht immer leichte Funktion  innehat. Die schon im Jahre 1995 begonnenen Planungen eines Hüttenumbaues werden abgeschlossen, und Josef Mair setzt sie mit viel persönlichem Einsatz und großem Verantwortungsgefühl in die Tat um.
  • 2000
    Am 3. Juni ist Baubeginn. Nur wer weiß, welche Probleme eine Höhenbaustelle mit sich bringt, kann verstehen, wie viel organisatorisches Talent und Einsatzkraft notwendig sind. Schon im August prangt der Firstbaum am Dach der Zittauer Hütte.
  • 2001
    9. August 2001, auf den Tag genau ist die Zittauer Hütte 100 Jahre alt. Ein guter Grund, um auf der Hütte vorzufeiern. Die am Umbau beteiligten Firmen und ihre Arbeiter feiern auf Einladung der Sektion den gelungenen Abschluss der Bauarbeiten. Zum Anlass des Hüttenjubiläums wurde am Weg zur Hütte oberhalb des Klammls, auf der Moräne, eine Gletscherschautafel aufgestellt. Sie wurde von Werner Slupetzky konzipiert, der seit 1973 die Gletschermessungen am Wildgerloskees durchführt.
  • 2001
    Es ist geschafft, der Umbau ist vollendet. Am 16. September 2001 erfolgte der ofizielle Festakt  anlässlich "100 Jahre Zittauer Hütte" und gleichzeitig die Einweihung der umgebauten Hütte. Die Zittauer Hütte ist nun auf dem neuesten Stand und "up to date" für ihre weitere Aufgabe als hochalpiner Stützpunkt im westlichsten Tal des Nationalparks Hohe Tauern. Die "alte Dame" erstrahlt wieder in jugendlicher Frische und ist gerüstet für das 21. Jahrhundert.

    Entnommen aus 100 Jahre Zittauer Hütte 1901 - 2001, Verfasser: Dr. Werner Slupetzky.

Das Herz einer Hütte - die Hüttenpächter:

Eine Hütte kann noch so groß, noch so modern, noch so komfortabel sein, wenn nicht die richtigen Hüttenpächter sie bewirtschaften, bleibt sie ohne Leben. Das Herz der Hütte sind die Hüttenwirtsleute. Mit diesen hat die Zittauer Hütte immer Glück gehabt. Sie ist durch ihre Bewirtschafter eine Hütte geworden, in der sich Bergsteiger und Wanderer wohl fühlen.

Allen Hüttenbewirtschaftern der Zittauer Hütte gebührt daher ein besonderer Dank!

Im Bild vier Generationen Hüttenwirte: v.l.n.r. Jakob Schweinberger, Günther Schulze, Sabine Schweinberger, Peter Kirchner, Gisela Kirchner, Hans Graber, Hannes Kogler, Barbara Kogler.

Was wissen wir über Hüttenpächter von einst und jetzt?

1901 - 1910 Albert und Anna Ritsch aus Neukirchen a. Grv.

Im Protokoll der Hauptversammlung 1902 wurde festgehalten, dass sich das Ehepaar Ritsch bei den Eröffnungsfeierlichkeiten und bei der wenige Wochen dauernden Bewirtschaftungszeit sehr gut bewährt hätte. Sie wurden daher mit der weiteren Betreuung der Hütte beauftragt. (Wie lange die beiden Pächter waren und wann der erste Pächterwechsel erfolgte, konnte nicht festgestellt werden).

1910 - 1914 Maria und Johann Nocker aus Krimml

1910 wurde Maria Nocker mit der Bewirtschaftung der Hütte im Auftrage und auf Rechnung von Johann Unterwurzacher, Pächter der Warnsdorfer Hütte, betraut. Um 1913 wird protokolliert: "Über die Wirtschafterin wurde nicht nur keine Klage bekannt, sondern der Schreiber dieses Protokolles hörte nur Anerkennendes darüber."

1915 - 1923

Auf Grund der Kriegswirren war die Hütte unbewirtschaftet, sicher aber vom Hüttenwart wegen der Gefahr von Einbrüchen kontrolliert.

1923 - 1943 Georg und Alberta Wanger aus Krimml

Georg Wanger verunglückte 1932 anlässlich eines Bergrettungs - Sucheinsatzes am sogenannten Klamml bei einem Lawinenunfall tötlich.

Die Bewirtschaftung nach dem Krieg war für die Hüttenpächter eine sehr schwierige Zeit. Die beiden Kinder Adelheid und Gustl mussten fleißig mithelfen. Mit Mühe konnte die Sektion Haus und Inventar wieder in Ordnung bringen.

Bericht 1926:"An besonderen Anschaffungen sind die Herstellung der während des Krieges beschädigten Matratzen und der Ankauf einer größeren Anzahl von Decken zu erwähnen, so dass die größere Belegung der Hütte möglich ist. Die Beschaffung eines neuen Herdes und eines Bootes wird für das nächste Jahr wohl möglich sein. Damit wird jedenfalls die Bewirtschaftung der Hütte durch das Ehepaar Wanger, die durchaus zufrieden stellend gewesen ist, sicher weiter gefördert werden. (1925:  585 Hüttenbesucher)

1944-1945

Die Hütte war unbewirtschaftet und der Winterraum mit einem AV-Schlüssel benützbar.

1947 - 1955 Anna Scharler aus Neukirchen a. Grv.

Wieder eine Nachkriegsepoche und eine schwere Zeit.

1956 - 1961 Jakob und Sabine Schweinberger aus Neukirchen a. Grv.

Bis dahin herrschte immer noch die Pionierzeit der Hüttenbewirtschaftung. Keine gesicherte Wasserversorgung, kein Licht, alle Lebensmittel und sonstige Dinge mussten mühselig hinaufgetragen werden.

Jakob und Sabine Schweinberger kamen einzig in den Genuss einer gesicherten Wasserleitung. Durch die beginnende Motorisierung und das geänderte Freizeitverhalten nimmt auch die Besucherzahl stetig zu.

1962 - 1989 Paula und Günther Schulze aus Neukirchen a. Grv.

1962 beginnt mit Paula und Günther Schulze die "Ara Schulze", die mit der Übergabe an Gisela Kirchner und ihrem Mann Peter im Jahre 1990 bis 2006 anhielt. In ihrer Zeit verändert sich die Bewirtschaftung der Hütte grundlegend. Die Materialseilbahn wird gebaut, die Zufahrt verbessert und es erfolgt die Versorgung mit Wasser und Licht.

Diese Veränderung von der urigen Hütte ohne größeren Komfort bis zum heute umgebauten und modernisierten Berghaus hat Schmied Paula, die "als Mädchen für alles" von 1959 bis 1962 auf der Zittauer Hütte mitgeholfen hat, selbst erlebt und sie konnte auch noch einige Jahre miterleben, wie schön "ihre Hütte" durch die Verjüngungskur geworden ist.

Gisela und Peter Kirchner aus Dorf im Pinzgau

Gisela und Peter bewirtschafteten die Hütte gemeinsam 16 Jahre zur vollsten Zufriedenheit aller Bergsteiger und Wanderer gemeinsam mit Gisela´s Eltern Paula und Günther. Ganz besonders schwer hatten sie es während des Umbaues in den Jahren 2000 bzw. 2001.
Trotz viel Lärm, Staub und Dreck hielten sie während der ganzen Bauphase den Gastbetrieb für Touristen aufrecht. Dafür gebührt ihnen noch heute ein ganz besonderer Dank!

2007 - laufend Familie Hannes und Barbara Kogler aus Krimml

Entnommen aus 100 Jahre Zittauer Hütte 1901 - 2001, Verfasser: Dr. Werner Slupetzky